easyTherm GmbH – Interview mit Dr. Oliver Karall 4.48/5 (23)

| Juli 4, 2016 | Hersteller Interviews
easyTherm Infrarotheizungen

Dr. Karall, ich begrüße Sie herzlich und freue mich, dass Sie sich für ein Interview in der InfrarotArena bereit erklärt haben.

Bitte stellen Sie sich und das Unternehmen easyTherm zunächst unseren Lesern vor.

Dr Oliver Karall Easytherm GmbH

Dr. Oliver Karall – Geschäftsführer easyTherm GmbH

Mein Name ist Dr. Oliver Karall. Ich bin Geschäftsführer bei easyTherm und zuständig für Vertrieb und Marketing.

Das Unternehmen wurde 2010 gegründet, nachdem mehr als 4 Jahre davor Forschung und Entwicklung an maximal wirksamen Infrarot-Heizpaneelen betrieben wurde.

Installation der ersten Anlage schon 2006 bei Magna Steyr in Sinabelkirchen/Österreich: Hier wird bei einer Schutzlasur-Trocknung im Automotive-Bereich Heißlufttrocknung durch Infrarot von easyTherm ersetzt. Sensationelle Energieeinsparungen (rund 90%) und Qualitätsergebnisse stellen sich ein.

Daraufhin werden Untersuchungen zum Einsatz der Technik als Wohnraumheizung aufgenommen (damals noch als Einzelunternehmen).

Mittlerweile haben wir mehr als 10.000 Haushalte und Wohnungen mit easyTherm Heizungslösungen ausgestattet.

Glückwunsch zu Ihrer neuen Website. Erzählen Sie, was sich verändert hat.

Dr. Oliver Karall: Sie ist modern aufgebaut, hat ein responsive Design um auf allen Geräten – vom Desktop bis zum Handy – eine performante Darstellung zu gewährleisten.

Getreu den “Genen von easyTherm” möchten wir auf der Seite sehr klar und leicht verständlich die Fakten über Infrarotheizungen darstellen und den Konsumenten eine gute Hilfestellung bei der Auswahl einer effizienten Heizung geben.

Und wir möchten mit falschen Tatsachen und Mythen aufräumen – unter anderem:

Strom ist zu teuer zum Verheizen“.
Nein. Strom wird mittlerweile aus bis zu 90% regenerativen Quellen (Wasser, Wind, Sonne) gewonnen. Es gibt nichts umweltfreundlicheres als Strom.
-> Details auf der easyTherm Website lesen

Eine Heizung an der Decke kann doch nicht funktionieren, Wärme steigt ja auf”.
Wärme breitet sich in alle Richtungen gleichmäßig aus – wie Lichtwellen. Die Sonne ist ja auch (weit, weit) oben. Lediglich warme Luft steigt auf – aber die wollen wir ja nicht haben.
-> Details auf der easyTherm Website lesen

Meine Wärmepumpe benötigt doch gar keinen Strom? Sie heizt doch mit der Außenluft?
Eine Wärmepumpe ist eine reine Stromheizung – wie auch die Infrarotheizung. Die Wärmepumpe ist effizient, da sie die Umweltwärme (Luft, Wasser oder Erdreich) nutzt, sie büßt aber einen großen Teil Ihrer Effizienz wieder durch viele Verluste beim Transport der Wärme ein und ist sehr träge in der Reaktion auf Veränderungen der Aussentemperatur.
-> Details auf der easyTherm Website lesen

Die Firma easyTherm hat Ihren Firmensitz in Österreich. Wie bedienen Sie Ihre Kunden aus Deutschland?

Dr. Oliver Karall: Eine Heizung sollte immer als Komplettlösung gesehen werden, die passen muss – man kauft sich ja auch nicht ein Auto aus lauter einzelnen Teilen. Daher ist es uns wichtig, dass der Konsument einen kompetenten Fachpartner hat, der ihm eine massgeschneiderte Lösung verkauft: genaue Dimensionierung der Heizung, Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten, Lage des Hauses/der Wohnung, Berücksichtigung der Klimadaten, Farb- und Grössenauswahl, etc.

Wir sind in Österreich Nr. 1 und nun auf der Suche nach Fachpartnern in Deutschland, die gemeinsam mit uns die Heizung der Zukunft vertreiben wollen.

In jedem Fall vertreiben wir unsere Produkte nur über zertifizierte Fachpartner – nie direkt und schon gar nicht über einen online-shop.

Sie bieten Ihre easyTherm Infrarotheizungen in folgenden Varianten an: Softline mit Holzrahmen, U-line Elegance und Systemraster. Geben Sie unserem Publikum eine Entscheidungshilfe.

Dr. Oliver Karall: Jeder Mensch hat einen anderen Geschmack, richtet sich sein Zuhause individuell ein und hat klare Vorstellungen, was er haben möchte. Dem tragen wir Rechnung, indem wir unterschiedliche Designvarianten anbieten: vom klassischen weiss mit zarten weissem Rahmen bis zum gedruckten Kunstwerk, das immer ein Unikat ist. Insgesamt haben wir über 1.000 Varianten!

In modernen Gebäuden wird gerne ein weisses Panel mit zarten U-line Rahmen genommen – sehr oft auch flächenbündig mit easyPlan. In Holzhäusern passt sehr gut die Farbe elfenbein mit einem geölten Nussrahmen.

Aber wie gesagt – der persönliche Geschmack entscheidet. Wir haben die Vielzahl der Möglichkeiten – der Konsument entscheidet.

1100 easyTherm Produktvarianten

easyTherm empfiehlt Ihren Kunden keine Infrarotheizungen mit Glasoberfläche u.A. wegen der schlechten Energieeffizienz. Andere Hersteller vertreiben Glasheizungen, welche beschriftet werden können. Was halten Sie von diesem Trend?

Dr. Oliver Karall: Seit Jahrhunderten heizen Menschen Kachelöfen ein und genießen damit behagliche Wärme. Schon unsere Vorfahren wussten was gut ist. Die Kacheln der Öfen sind aus Keramik. Das hat einen guten Grund: Keramik ist das Material, das nachweislich Wärmestrahlung am effizientesten abgibt.
Es ist ein Naturgesetz (Planck’sches Strahlungsgesetz), dass alle Oberflächen permanent Wärmestrahlung abgeben. Das abgegebene Strahlungsspektrum hängt nur von der Temperatur und einer einzigen Materialeigenschaft ab: der Emissivität. Diese beschreibt die Fähigkeit einer Oberfläche Wärmestrahlung abgeben zu können. Bei Keramik ist diese besonders hoch.

Infrarotheizung mit Glas? Geht gar nicht!

Dr. Oliver Karall: Glas hat allgemein eine sehr viel schlechtere Emissivität als die von uns verwendete hochwertige Keramik. D.h. bei gleicher eingesetzter Leistung erhalten Sie bei easyTherm mit der Keramik sehr viel mehr angenehme Wärme – Sie brauchen also weniger Strom.
Weiters haben Sie bei Glas eine wesentlich schlechtere Infrarotstrahlung und viel mehr Konvektion. In Wahrheit ist eine Infrarotheizung mit Glas eher eine klassische Konvektionsheizung als eine Infrarotheizung. Das äußert sich dann in hässlichen Schlieren hinter dem – vermeintlichen – Infrarotpaneel.
Glas muss in entsprechender Materialstärke verwendet werden (4—8 mm). Da es ein guter Wärmeisolator ist, dauert die Erwärmung des dicken Glases sehr lange. Zwischenzeitlich geben Glaspaneele dann Wärme nach hinten ab – das ist verlorene Energie.
Sie können zu Hause einen ganz einfachen Versuch machen:
Füllen Sie kochendes Wasser einmal in ein Teeglas und einmal in eine Keramik-Tasse. Wenn Sie die Hand in die Nähe des Teeglases bringen, werden Sie kaum Strahlungswärme spüren. Wenn Sie das Glas angreifen, werden Sie sich aber die Finger verbrennen. Greifen Sie dagegen die Keramik-Tasse an, fühlt sie sich wohlig warm an – das ist die langwellige Strahlungswärme. Genauso ist es bei der Heizung. Keramik erzeugt ein wohlig warmes Gefühl – Glas ist einfach nur heiß.

Auch Spiegelheizungen bestehen aus Einscheiben-Sicherheitsglas. Welche Heizung empfehlen Sie Ihren Kunden stattdessen für das Badezimmer?

Dr. Oliver Karall: Spiegel als Infrarotheizung? Besser nicht!

Ein Spiegel im Badezimmer als Infrarotheizung? Dann beschlägt mein Spiegel nach dem Duschen ja nicht mehr! Was auf den ersten Blick aussieht, als ob man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat, ist auf den zweiten Blick leider keine gute Idee.
Warum? Ein Spiegel besteht aus einer mit Silber oder Aluminium beschichteten Glasplatte. Nun wissen wir ja schon, dass Glas kein gutes Material für eine Infrarotheizung ist. Dazu kommt nun aber noch, dass durch die dauernde starke Erhitzung des Spiegels das Silber oder Aluminium korrodiert und der Spiegel immer dunkler wird. Man sagt dann auch: „der Spiegel wird blind“.

Mit einer Infrarotheizung als Spiegel haben Sie daher die Nachteile von beiden Seiten kombiniert:

  • Durch das Glas haben Sie keine gute Infrarotwärme
  • können den Raum nicht effizient heizen und
  • nach einigen Monaten haben Sie auch keinen guten Spiegel mehr

Lieber eine easyTherm Infrarotheizung an die Decke montieren. Dann haben Sie:

  • den besten Platz für eine effiziente Infrarotheizung
  • angenehme Wohlfühlwärme und
  • aufgrund der hohen Wärmestrahlung auch keinen beschlagenen Spiegel!

 

Sie lackieren die Oberflächen Ihrer Infrarotheizungen nicht, da Lack die Effizienz verringert. Aktuell bieten Sie dennoch 8 verschiedene Oberflächenfarben an. Wie bringen Sie die Farbe auf Ihre easyTherm Infrarotheizungen? Und erfüllen Sie auch Farb-Sonderwünsche?

Dr. Oliver Karall: Wenn Sie ein Infrarotpaneel einfach mit handelsüblichen Lacken lackieren nehmen Sie ihm die Emissivität weg – und zwar zu fast 90%!

Wir bieten 8 verschiedene Farben an, die alle auf Ihre gute Emissivität geprüft wurden und die im Werk schon so gebrannt wurden.

Farb-Sonderwünsche sind gerne möglich – hier ist der Preis sehr von der Stückzahl abhängig.

Wir bieten seit kurzem auch den Druck von Bildern an. Hier wird mit einem Spezialverfahren eine Art “keramischer Tintenstrahldruck” auf das Paneel gebracht und dann gebrannt. Hier ist nur zu beachten, dass vorab von unseren Technikern die Bildqualität beurteilt wird und evtl. bei schwierigen Farbkombinationen mit dem Kunden Rücksprache gehalten wird.

artWarming © easyTherm

Sie erfüllen lt. Ihren Angaben mit Ihren Infrarotheizungen aktuell den in der Entstehung befindlichen PANEIA-Industriestandard. Wie sehen Sie die Zukunft von PANEIA? Könnte durch die Vollendung von PANEIA ein neuer aufsteigender Trend von Hybridheizungen entstehen?

Dr. Oliver Karall: Aus meiner Sicht ist der Industriestandard PANEIA sehr wichtig. Alle Heizungen, die diesem Standard entsprechen sind effiziente Infrarotheizungen mit einem hohen Strahlungsanteil. Dieser Industriestandard ist übrigens bereits bei der CENELEC (europäisches Normungsinstitut) von mehreren Ländern zur EU-weiten Normung eingereicht worden. Es gibt den Konsumenten die Sicherheit, ein gutes und zertifiziertes Qualitäts-Produkt zu kaufen, daher unterstützen wir diese Bemühungen sehr.

Ihre leistungsstarken easyTherm Infrarotheizungen für die Industrie werden heißer und erreichen fast die doppelte Leistung, im Vergleich zu Infrarotheizungen für den Wohnbereich. Wo genau liegen die Unterschiede?

Dr. Oliver Karall: Der Unterschied liegt im wesentlichen in der höheren Dichte an Karbonfasern. Daraus resultiert eine höhere Oberflächentemperatur und mehr Strahlungsleistung.

Da wir uns freiwillig der TÜV-Typenprüfung unterziehen sind diese Paneele ausserhalb des Griffbereichs anzubringen – also höher als 2,5m und werden vor allem im Gewerbe- und Industriebereich verwendet.

Es wurde also eine TÜV-Typenprüfung durchgeführt?

Dr. Oliver Karall: Ja, alle unsere Produkte sind TÜV-typengeprüft. Das ist ein grosser Unterschied zu allen anderen Prüfungen, denn hierbei werden die kompletten Geräte in den Laboren des TÜV im Detail geprüft – ein sehr aufwändiger Prozess, der uns wichtig ist.

Die meisten anderen Prüfungen führt nämlich der Hersteller selbst durch und zertifiziert sich dadurch selbst – das kann nicht im Sinne der Konsumenten sein.

Die TÜV-Typenprüfung schreibt z.B. eine maximale Oberflächentemperatur von 86 Grad Celsius für Paneele vor, die im Griffbereich liegen (unter 2,5m). Dieses Kriterium würde ein Hersteller von Infrarotheizungen mit Glas nie schaffen – hier haben wir Temperaturen von 100 – 130 Grad Celsius und es besteht nicht nur höchste Verbrennungsgefahr sondern auch Brandgefahr!.

Beschreiben Sie uns die Einsatzmöglichkeiten Ihres easyPlan Unterputz-Einbaukastens und wer ist Ihre Zielgruppe für dieses Produkt?

Dr. Oliver Karall: Mit easyPlan wird der Gestaltungstrend im modernen Innenausbau voll und ganz unterstützt. Mit Hilfe eines Unterputz-Einbaukastens aus verzinktem Stahlblech in extra starker Profiausführung werden die energiesparenden Infrarotheizungen flächenbündig montiert.
Das ausgeklügelte System erlaubt sogar eine einfache und sichere Deckenmontage. Optimal eingesetzt wird das System, wo Platz gespart werden muss.
Das einzigartige easyPlan ist ideal in Verbindung mit modularer Bauweise und in jedem Wohnbereich oder dort, wo die Verletzungsgefahr sehr hoch ist (z.B. Sporthallen, Fitnessräume, usw.).
Den Gestaltungsmöglichkeiten sind fast keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass das Paneel sichtbar sein muss, da dann die volle Heizleistung garantiert wird.

easyPlan Deckeneinbau von easyTherm

easyTherm Infrarotheizungen sind elektrosmogfrei. Wie haben Sie das erreicht? Die Infrarotheizungen eines anderen Herstellers haben den Status „elektrosmogarm“. Erklären Sie unserem Publikum bitte auch die Unterschiede.

Dr. Oliver Karall: Im Wesentlichen durch den effizienten Aufbau. Durch den Verzicht auf “elektrosmogerzeugende” Materialien wie Kupfer oder Blech konnten wir unser Paneel elektrosmogfrei produzieren. Dazu tragen vor allem die Karbonfasern (Heizleiter), die Edelstahlrückseite, die Keramikvorderseite und der Rahmen bei.

Frank Noack: Vielen Dank für das Interview, Dr. Karall. Ich wünsche Ihnen und dem Team der Firma easyTherm weiterhin viel Erfolg. Für Fachpartner und interessierte Kunden habe ich für alle weiteren Informationen Ihre Website verlinkt.


easytherm-logo

Firma: easyTherm Infrarot Wärmesysteme GmbH
Schauraum & Kompetenzzentrum: Steinamangerer Straße 400, 7501 Unterwart, Österreich
Schauraum & Zweigniederlassung: Pohlgasse 23, 1120 Wien
https://www.easy-therm.com/


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